programm video folkwang X _____________________ 27. Juni 2003
'werkschau Matthias Müller'
museum folkwang essen
freitag, den 27. Juni 2003 um 20 Uhr im museum folkwang, saal 1


video folkwang X präsentiert eine werkübersicht des bedeutenden deutschen zeitgenössischen filmkünstlers Matthias Müller.
geboren 1961 in bielefeld, beginnt er anfang der 1980er jahre in kooperation mit anderen künstlern filme zu produzieren. 1985 setzt er zum ersten mal fernsehbilder als gefundenes material ein und kombiniert es mit eigenen aufnahmen. innerhalb der film- und videokunst wird dieses gefundene material als found footage bezeichnet und gilt als feststehender begriff für diese spezielle art des bild- und gestaltungsmittels.
in der arbeit ‚Home Stories' (1990) - ein meisterwerk des found footage-films - verwendet Matthias Müller ausschließlich bilder aus us-melodramen und kriminalfilmen der 1950er und 1960er jahre. In einer geschickten montage aus sequenzen verwandter situationen unterschiedlicher filme mit darstellerinnen wie Kim Nowak, Tippi Hedren oder Audrey Hepburn konstruiert Müller eine eigene dramatisierte narration und eine übertriebene form der stimmung der ursprünglichen filme. er kommentiert und ironisiert das klassische hollywood-kino und führt uns den seriellen, fast austauschbaren charakter bezüglich des einsatzes bestimmter darstellungsdramaturgien bzw. -szenen vor augen.

still aus 'Alpsee' und ‚Phantom'


1994, drei jahre nach seinem abschluß an der hochschule für bildende künste braunschweig als meisterschüler der filmklasse, entsteht der inszenierte film ‚Alpsee'; eine kindheitsbeschreibung in den 1960er jahren. eine kindheit positioniert zwischen träumen von bäumen auf dem mars und dem alltag einer mutter-sohn-beziehung. der schauplatz wohnung und die begebenheiten werden wortlos beschrieben und mit stilistischen künstlerischen mitteln eindrucksvoll wiedergegeben.
in zusammenarbeit mit Christoph Girardet entsteht 1999 die auftragsarbeit ‚The Phoenix Tape'. für die ausstellung ‚Notorious - Alfred Hitchcock and Contemporary Art' im museum of modern art in oxford stellen die beiden künstler in einem 45-minütigen zyklus aus sechs kapiteln eine found footage-kompilation aus ca. 40 Hitchcock-filmen als hommage an den regisseur anläßlich seines 100. geburtstags zusammen. das kapitel ‚Why don't you love me?' hebt z.B. die immer wieder auftauchenden beziehung der hauptdarsteller zu ihren besitzergreifenden filmmüttern hervor.
die werke ‚nebel' (2000) und ‚Phantom' zeigen eine erweiterte verwendung von bereits bestehenden filmmaterial. so wie Müller in anderen arbeiten spielfilmsequenzen einsetzt, basiert ‚nebel' auf gefundenen worten: gedichten von Ernst Jandl. allerdings zeigt Müller nicht was Jandl sagt, sondern stellt mit found footages die assoziationen dar, die die gedichte in ihm auslösten.
‚Phantom' (2001) führt uns in einen zwischenbereich aus gegenwart und vergangenheit. das negativ wiedergegebene bild ist aus filmszenen kompiliert, in denen schemenhafte gestalten vorhänge beiseite schieben. die mysteriösen bilder, in denen der betrachter die bewegungen des stoffes visuell und akustisch wahrnimmt, lösen gefühle wie spannung, angst, trauer und einsamkeit, aber auch neugierde aus.
die letzte arbeit des programms ist das 2002 entstandene werk ‚Beacon' und zeigt eine reise ohne Ziel. unterlegt mit einem text von Mike Hoolboom sind szenen von verschieden ort am meer zusammengefügt. sie scheinen sich zu einem einzelnen zu verbinden und wecken in uns erinnerungen an alte geschichten über das meer, genauso wie an das banale strandleben.

Matthias Müller hat binnen 10 jahren eines der innovativsten künstlerischen, und innerhalb des experimentalfilms einzigartigen œuvre geschaffen, von dem dieses programm einen eindruck vermitteln soll. seine arbeiten sind von hohem künstlerischen, poetischen, symbolischen und emotionalen wert und mit den eingesetzten gestalterischen, technischen und musikalischen mitteln erzeugen sie einen anspruchsvollen und überwältigenden bilderstrom, dem sich der betrachter kaum entziehen kann.

Matthias Müller wird an diesem abend anwesend sein und im anschluß an das programm einem gespräch oder einer diskussion zu verfügung stehen.

programm:

‚Home Stories', 1990, 16mm, 6 min.
,Alpsee', 1994, 16mm, 15 min.
‚Why don't you love me?' (aus ‚Phoenix Tapes'), 1999, dvd, 8:30 min.
‚nebel', 2000, 35mm, 12 min.
‚Phantom', 2001, dvd loop, 4:30 min.
‚Beacon' (mit Christoph Girardet), 2002, digital betacam, 15 min.


auswahl, text und einführung: Kristina Danzer
organisation: Kunstring Folkwang/Christine Heim
eintritt: euro 3, ermäßigt euro 2, mitglieder des Kunstring Folkwang frei

© Matthias Müller