programm video folkwang XIV _______________ 12. mai 2004

"stadt nach mass"

die auswahl setzt sich aus arbeiten zusammen, die während des kasseler dokumentarfilm- und videofests gezeigt wurden und sich alle mit dem thema architektur und urbanität beschäftigen, ein aktuelles interesse bei vielen künstlern. die verschiedenen videos beschäftigen sich mit der art und der form zu wohnen, stellen architektonische konstruktionen und urbane atmosphären dar und zeigen uns, wie vielfältig der gebaute raum sein und ideale gegebenheiten und utopien schaffen kann.


programm:

Julio Soto Gúrpide, „invisible city“, usa, 2002, 6:20 min.
m an stellt sich ein post-apokalyptisches stadtzentrum vor: das innenleben von häusern ist mit wildem wein, wasser und anderer vegetation überzogen. die fliegen schwärmen darin umher. die allmächtige kamera ist überall, schwenkt durch die urbane landschaft mit ihren surrealen bildern, den verlassenen gebäuden, den ruinen, den verwüsteten städten. die natur hat hier jeden raum eingenommen.


Berenice Wahl, „housing stories amsterdam“, d, 2002, 18:20 min.
s chon mal probleme bei der wohnungssuche gehabt? dazu gibt es noch eine steigerung. fünf junge menschen erzählen von ihren seltsamen erfahrungen und erlebnissen bei der zimmer- und wohnungssuche in amsterdam. diese mühsame und verzweifelte suche gestaltet sich oft sehr langwierig und unzumutbar, denn wer wechselt schon gerne im monatstakt seine bleibe aufgrund spezieller verfügbarkeit oder setzt sich an sexuelle belästigung grenzenden bedingungen aus.


Brian Doyle, “the light”, usa, 2003, 10:18 min.
in einer reise vom land in die urbane struktur werden un-orte beschrieben, eine welt, die man kaum sieht. lichter von einsamen straßenlaternen, beleuchteten werksgeländen, strahler, die den himmel überqueren und am ende die gedenkscheinwerfer des world trade centers, reduziert auf die essenz des lichts.


Ayako Yoshimura, „places – home“, nl, 2002, 3:37 min.
menschen kaufen eigenheime, um sie zum privatesten platz der erde zu machen. aber oft sehen sie alle gleich und anonym aus und zeigen vor allem äußerlich nichts individuelles.


Lotte Schreiber, „quadro“, a, 2002, 10 min.
das portrait über einen monumentalen 60er jahre wohnblock in triest, derritterburg-ähnlich auf einem hügel über der stadt schwebt. in dem imposanten gebäude mit quadratischem grundriss sind die sozialutopischen ideen dieser epoche als kühne, maßstabslose betonkonstruktion ausformuliert. der kontemplative bilderfluss im video entwickelt mit dem eindringlichen elektronischen soundtrack fast eine art sog. immer wieder werden streng kadrierten, statischen einstellungen in grobkörnigem schwarzweiss abrupt von stark verwackelten videoaufnahmen zerrissen. diese video ist keine architekturdokumentation, sondern entstand aufgrund der subjektiven faszination der filmemacherin an der gebauten manifestation einer radikalen gestalterischen idee und einer gescheiteten sozialen utopie.


Anne Misselwitz “zwielicht”, gb/d, 12 min.
“zwielicht” ist eine reise durch das heutige berlin entlang des ehemaligen mauerstreifens. mit ihrem verschwinden hat die mauer auch allmählich ihre symbolische relevanz verloren, was eine chance ist, dieses gebiet mit seiner spezifischen urbanen realität und potentialen in einem neuen licht zu betrachten.

auswahl, text und einführung: Kristina Danzer
organisation: kunstring folkwang/Christine Heim


eintritt: euro 3, ermäßigt euro 2, mitglieder des kunstring folkwang frei