Stell dir ein Leben
vor, wie du es als Kind schon erträumt hast? Also, ein perfektes
Leben.
Scheinbar vollkommen
naiv nimmt Corinna Schnitt das allgemeine Wünschen und die
üblichen Vorstellungen vom Lebensglück beim Wort –
und führt uns diese als quasidokumentarische Inszenierung
erbarmungslos vor Augen und Ohren. Sie zeigt uns eine Frau und
einen Mann, beide gutaussehend, die in einer stilvollen Villa
hoch über Los Angeles wohnen und abwechselnd in die Kamera
berichten, dass sie all das haben und all das sind, was sich andere
nur ersehnen.
sie zählen sämtliche
Bestandteile eines traumhaft schönen Lebens auf, so wie es
sich die Menschen, zumindest in der westlichen Welt, gemeinhin
vorstellen. Der Zuschauer kann diese erschöpfende Litanei
des totalen Glücks nur schwer ertragen und fühlt sich
durch die kontemplative Stimmung der wohlkomponierten Szenen zusätzlich
provoziert.
So grotesk dieses Schwelgen
in Beautiful-Klischees auch anmutet, Corinna Schnitt ist weit
davon entfernt, eine simple Parodie abzuliefern und verzichtet
auf Effekt-gehasche und Pointentümelei. Sie beherrscht die
dramaturgisch wirkungsvolle Methode, Artifizielles und Naturalistisches
auf subtile Weise ineinander zu verweben. Ein Merkmal, das Schnitts
präzise Filmarbeiten grundsätzlich auszeichnet: Sie
überlässt uns – vielleicht sogar ein bisschen
schadenfroh – einer irritierenden Mehrdeutigkeit, die für
eine mal amüsante, mal unbehagliche Dechiffrierungs-Schwebe
sorgt. In ihren seltsamen ethnologischen Fiktionen entdeckt sie
gerade dort Pararealitäten, wo wir doch alles genau zu kennen
glauben. Und so zieht sie uns beim Betrachten ihrer kaum bewegten
Bilder ganz sanft und sehr freundlich den Boden unter den Füßen
weg. (Kay von
Keitz)